> Auch Du gehst hier von einigen falschen Prämissen aus.
Was zu zeigen wäre. S.u.
> > Das Problem sind die hohen Nebenkosten. Wenn ein Unternehmen
> > für einen MA genausoviel ausgibt wie ein US-Unternehmen, dann
> > kommen für den MA nur 80% des Brutto und nur 60% des Netto
> > raus, das der US-Angestellte kriegt.
>
> Das ist zunächst ‘mal nicht völlig falsch.
Also teilweise. Was ist daran falsch? M.E. völlig korrekt.
> > …Die Krankenkasse privat zu finanzieren ist - in USA -
> > teurer als unsere Pflichtversicherung: US-Bürger geben fast
> > doppelt so viel für Gesundheit aus wie Deutsche.
>
> Das trifft für Arme zu.
Nein, das trifft für den Durchschnitt zu. Arme verzichten oft
völlig auf eine KV, da sie sich das nicht leisten können. Daher
sterben in USA jedes Jahr auch eine Menge Menschen an “einfachen”
Krankheiten wie Blinddarmentzündung, weil sie versuchen, Schmerzen
auszusitzen.
Menschen die sich KV leisten zahlen im Schnitt mehr als ein
Deutscher in der Pflicht-KV.
> Mangels “Soli”-Kassen gehen diese leer aus, aber…
> - Auch in den VSA gibt es Sozialhilfe
Diese ist mittlerweile in den meisten Bundesstaaten
lebenszeitlich begrenzt, oft auf nur wenige Jahre.
Die meisten Langzeitarbeitslosen erhalten also gar
nichts und müssen in die Suppenküche der Heilsarmee
oder decken sich bei Kirchen mit Kleidung ein. KV
ist dann auch nicht.
> - In den VSA sind die Beiträge individuell aushandelbar
Ja, abhängig von den Leistungen. Einen schönen Fall
hatten wir vor kurzem im Bekanntenkreis: Sie hatte
eine KV abgeschlossen, die alle Leistungen im
Zusammenhang mit dem Skelett ausschloss (so etwa
Bandscheibenvorfälle etc.) Und dann hatte sie plötzlich
etwas mit dem Rücken und musste alles bar bezahlen. Das
hätte sie leicht ruinieren können.
Außerdem hatte ich ja gesagt: Die durchschnittlich
gezahlten Beträge für Gesundheit sind in USA knapp
doppelt so hoch wie hierzulande. Trotz individueller
Aushandelbarkeit der Tarife.
> - In den VSA sind die meisten Beschäftigten über die Firma
> versichert.
Ein Viertel der Einwohner ist gar nicht versichert.
Der Rest ist nur teilweise versichert weil - s.o.
Deine eigenen Angaben - der Versicherungsschutz
stark variiert und nicht wie in D i.d.R. Vollschutz
bietet.
> Gerade die KV über den Arbeitgeber macht die KV in den VSA
> sehr günstig, bis zu 50 % weniger als in D.
Meine Zahlen stammen sowohl aus der Studie der Clinton-
Administration (dort: USA 2x so hoch wie in D) als auch
aus den OECD-Vergleichsstudien, die regelmäßig erhoben
werden. Die neueste Studie gibt an, dass die Kosten in
USA 80% höher sind als in D (also USA 1,8x so hoch wie D).
> > …Die RV ist
> > in D mittlerweile bei 20%, mit dadurch bedingt, dass die
> > Geburtenquote nur halb so hoch ist wie in USA.
>
> Das hat mit Geburten und Geburtenquoten nichts zu tun sondern
> liegt einfach daran, dass die “Pensionskassen” in den VSA
> nicht per Umlage finanziert werden sondern aus Einzahlungen.
Auch ein Umlagensystem finanziert sich aus Einzahlungen.
Außerdem hat es selbst dann etwas damit zu tun, wenn
dieser Zusammenhang nur für D, nicht aber die USA zuträfe.
> In der Regel sind es Fonds. Daher sind “Geburtenquoten” den
> am. KV reichlich egal.
Nein, denn die Fonds leben von Renditen am Kapitalmarkt.
Dieser entwickelt sich naturgemäß schlechter, wenn die
Wirtschaft (absolut gesehen) schrumpft. Und er schrumpft
umso eher, je weniger die Bevölkerung wächst. Kann man
sich ganz leicht vorstellen, wenn man ein Gedankenexperiment
macht: Wer zahlt wie zurück, wenn es gar keine Kinder mehr
gibt und alle plötzlich in Rente sind? Richtig: Niemand.
Auch ein kapitalmarktfinanziertes System lebt letztlich
von der nachwachsenden Bevölkerung.
In der Schweiz, die ja so gerne als Vorbild für die Abkehr
vom Umlagesystem herangezogen wird, mussten die
Pensionskassen vor zwei (?) Jahren bereits die Quoten
für die Auszahlung verringern, weil das kapitalgedeckte
System - genau wie unser umlagenfinanziertes - durch
das allgemein geringere Wachstum der Wirtschaft geringere
Renditen einfuhr als geplant.
Auch unser Umlagensystem könnte ja theoretisch problemlos
alles verkraften, solange nur die Relation zwischen
Beitragszahlern und Rentnern gut genug ist, wie es ja
früher der Fall war.
> > Zum zweiten ist die Staatsquote in D viel höher. Rente für
> > Russlanddeutsche, die nie eingezahlt haben, hohe Transfers
> > an die EU, unkündbare Beamte, Lehrer, die nur halbtags
> > unterrichten, aber doppelt so viel verdienen wie ganztags
> > unterrichtende Lehrer in USA - all das kostet Geld und muss
> > letztlich von jemandem bezahlt werden, und das ist natürlich
> > die arbeitende Bevölkerung.
>
> Das ist nur im Prinzip richtig, S.o. und in D haben wir nicht
> das Problem mit Russlanddeutschen sondern mit einem kompletten
> ehemaligen Staat!
Das ist nur teilweise der Punkt, denn wir haben ja dadurch
nicht nur neue Rentner, sondern ebenso neue Einzahler
gewonnen. Dass es das Problem verschärft kommt daher, dass
1. Ein höherer Anteil der Neubürger Rente bekommt
als die Westbürger (v.a. wegen der Frauen),
2. Die Einzahlungen der arbeitenden Neubürger im Mittel
niedriger sind (geringere Einkommen),
3. Die Arbeitslosenrate höher ist als im Westteil.
> Das ist allerdings nicht den Bürgern anzulasten,
> die im Moment keine Kinder wollen!
Klar doch. Die Rentner werden nun mal durch die derzeit
arbeitende Bevölkerung finanziert. Halbiert diese sich,
kommt auf die Beitragszahler entweder eine Verdoppelung
der RV-Beiträge zu oder eine Halbierung der Bezüge auf
die Rentner.
> > Dazu kommen die starken Progressionen: Ein Gutverdiener zahlt
> > für die Pflicht-KV wesentlich mehr als ein Geringverdiener,
> > obwohl er die gleichen Leistungen bekommt. In USA ist das
> > natürlich nicht so.
>
> Das ist richtig. Natürlich wäre es Blödsinn zu sagen, in den
> VSA ist ja sowieso alles besser.
Es geht hier um Fakten, nicht um D-Schelte oder USA-Jubel.
> Genauso wie umgekehrt. Ich
> glaube, die Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte.
Manchmal liegt eine Wahrheit in der Mitte von zwei Behauptungen.
Manchmal liegt sie näher an der einen. Manchmal sind
Behauptungen auch ganz falsch. Der Spruch mit der Mitte
ist jedenfalls wenig hilfreich.
(Fortsetzung folgt wegen Überlänge)