Wie wir die Armen aus unserem Gewissen verbannen oder: Die Ökonomie aus dem - Rente mit 85 Jahren
Elfenbeinturm
Die Bewohner des Elfenbeinturms kommen selten in Berührung mit der
Realität des normalen Menschen. Sie sprechen davon, daß andere Opfer
bringen müssen, wobei sie genau wissen, daß sie nicht zu jenen
gehören werden, die diese Opfer bringen müssen. Sie werfen den
Leuten, die Arbeit haben vor, zu hohe Ansprüche an die Wirtschaft und
den staat zu stellen, was beide in den Ruin treibt. Sie werfen den
Arbeitslosen, den Hilfsbedürftigen und den Geringverdienern vor, daß
sie dem Schmarotzertum frönen und sich auf Kosten des Mittelstandes
und der produktiven Kräfte der Gesellschaft dem Hedonismus hingeben.
Sie tüfteln unermüdlich Theorien aus, wonach weniger Schutz des
Einzelnen gut für den Einzelnen ist. Wenn die Wirtschaft frei ist, ja
wenn sie frei ist, dann wird es allen besser gehen. Den Beweis
bleiben schuldig, sie entwerfen wunderschöne Modelle, und wenn diese
Modelle in der Realität nicht funktionieren, behaupten sie, daß die
Wirtschaft noch nicht frei genug sei und die Menschen noch mehr Opfer
bringen müssen.
Die Bewohner des Elfenbeinturms sind Professoren und Doktoren der
Wirtschaft und verwandter Wissenschaften, es sind Manager und hohe
Politiker. Schlimmer sind aber ihre Hofpoeten, die ein paar
Stockwerke tiefer wohnen und wie Papageien alles nachplappern, was
ihnen die Obrigkeit erzählt. Sie kritisieren den Marxismus, weil
dieser wissenschaftliche Objektivität beanspruchte, dabei sind sie
die einzigen, die wissenschaftliche Objektivität beanspruchen. Ihr
Konzept ist nicht nur immer gültig, sondern es ist das Allheilmittel
für alle Volkswirtschaften zu allen Zeiten. Ihre Kritiker sind
sämtlich dumm oder verblendet.
Ein interessanter Text von John K. Galbraith, einer der letzten
Keynesianer: Wie wir die Armen aus unserem Gewissen verbannen
http://www.monde-diplomatique.de/pm/2005/10/14/a0057.text.name,askZ0u
ugF.n,1
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