KV, Rente, Altersaufbau - Re: Da lamentieren die Unternehmen… (2) - Migrationsexperte beklagt Abwanderung vo…
(Fortsetzung)
> Das könnte m.E. schon ‘mal erreicht werden, indem einfach
> für mehr Wettbewerb gesorgt wird. Kein solcher Scheinwettbewerb,
> wie er im Moment vorgegaukelt wird. Damit wären die KV endlich
> von unnötigem Ballast wie aufgeblähter Verwaltung, Vorstands-
> und Pöstchen-Abzockern u.ä. befreit und könnten sich endlich
> auch nachfrage-, sprich kundenorientiert verhalten.
Das glaube ich nicht. In den privaten KV sowohl in D als
auch in USA gibt es genug Pöstchen und Abzocker, und das
Hauptziel ist natürlich der Profit des Unternehmens, nicht
der Nutzen des Kunden. Wie wenig Marktmacht Kunden haben
kann man ja gerade in den letzten zehn Jahren im Zuge der
Liberalisierung etlicher Marktsegmente in Europa sehen.
In UK, wo mehrere große Eisenbahn-Gesellschaften konkurrieren,
funktionieren die Eisenbahnen grottenschlecht, in D, wo
im Wesentlichen eine große halbstaatliche Gesellschaft fährt,
nicht so schlecht wie dort, aber schlechter als 1970, wo
sie vollstaatlich war.
Oder kucken wir zu den Märkten der Internetprovider, der
Händianbieter, der PC-Verkäufer… Fehler und Betrug sind
an der Tagesordnung, Hotlines nicht oder kaum erreichbar
etc.
Dass ein privates System mit mehr Wettbewerb besser
funktioniert, wird jedenfalls dadurch, dass das US-
Gesundheitssystem deutlich teurer ist (siehe OECD-
Studie) - und laut OECD keineswegs besser ist als das
deutsche - nicht gestützt. Als qualitativ besser (sowohl
im Vergleich zum deutschen als auch zum US-System)
gilt etwa das französische System.
> Für geringer Verdienende muss ja deshalb sowas wie bspw. ein
> staatlicher Zuschuss nicht auf der Strecke bleiben!!!
Ja ja… im Prinzip wolle wir Freiheit und Wettbewerb,
aber dann sollen doch durch Subventionen die größten
Härten gemildert werden… so hat alles mal angefangen
> > Alles zusammen bedingt, dass ein deutsches Unternehmen einem
> > MA fast das Doppelte zahlen müsste wie ein US-Unternehmen,
> > damit der MA den Eindruck hat, er bekomme das Gleiche.
> Wie gesagt. Das Fazit stimmt, die Begründung nicht.
Die stimmt durchaus
> > Das ist womöglich auch ein statistisches Artefakt. Die
> > Bevölkerung Deutschlands schrumpft, die Geburten sind um
> > 50% zu niedrig, um die Bevölkerung auch nur stabil zu
> > halten,
>
> Das ist blanker Unsinn. Die Geburtenrate ist seit Jahrzehnten
> rückläufig.
Ja. Und?
> Die meisten Geburten gab es in den 50er und in den
> 60er Jahren. Trotzdem hat Deutschland immer noch rd. 80 Mio.
> Einwohner und damit (nach Fläche) soviel wie noch nie!
Schau Dir einfach mal den Altersaufbau an, dann verstehst
Du vielleicht das Problem. Die Wirkung kommt ja mit großer
Verzögerung. Ebenso würde ein plötzlicher starker Anstieg
der Geburtenquote nicht verhindern können, dass in den
nächsten 25 Jahren die Bevölkerungszahl in D drastisch
zurückgeht, denn auch dies würde wieder erst mit etwa 30
bis 40 Jahren Verzögerungszeit durchschlagen.
Dass D in den letzten 15 Jahren eine etwa konstante
Bevölkerung hatte, liegt genau an den Besonderheiten
des deutschen Altersaufbaus. Die Jahrgänge im Alter
über 70 Jahre sind durch den 2. Weltkrieg stark geschwächt,
sonst hätten wir wesentlich mehr Sterbefälle. Diese sind
quasi schon “vorgezogen”. Die bevölkerungsstärksten Jahrgänge
sind gerade im erwerbsfähigen Alter, produzieren aber viel
weniger Kinder als ihre eigenen Jahrgänge stark sind.
Und wenn nicht in den letzten 15 Jahren netto noch
Zuzüge nach D aus dem Ausland stattgefunden hätten,
wäre die Bevölkerung dennoch bereits zurückgegangen.
Die genannten Effekte werden aber in den kommenden
25 Jahren stark zuschlagen: Die geburtenstarken
Jahrgänge 1950 bis 1965 kommen ab 2010 ins Rentenalter.
Zum Pool der Erwerbsfähigen kommen jetzt schon weniger
Jugendliche dazu als oben in Rente gehen. Ab etwa 2010
wird das bei weitem nicht mehr durch Zuzüge gedeckt werden
können, es sei denn, D würde erfolgreich Millionen von
Ausländern anwerben können. Und für die Gesamtbevölkerungszahl
gibt es noch die Verzögerung zwischen Rentenalter und
Sterbealter.
Die Bevölkerungsstatistiker rechnen für 2040 denn auch
mit einer Einwohnerzahl für D von etwa 45 bis 55 Millionen.
Und auch diese Zahlen sind nicht das Problem - das Problem
ist, dass auch dann der Altersaufbau wohl schlecht sein wird
und die Bevölkerung weiter schrumpft.
Übrigens hat Frankreich jetzt bereits mehr Menschen im
Alter bis 18 Jahre als Deutschland, obwohl Deutschland
insgesamt eine um 35% höhere Bevölkerungszahl hat, denn
Frankreichs Geburtenquote ist etwa 55% höher. Das hat
zur Folge, dass Frankreich trotz höherer Arbeitslosenquote
eine bessere Relation zwischen Einzahlern und Rentnern
hat und dass Frankreich in 20 bis 30 Jahren auch eine höhere
Gesamtbevölkerung haben wird.
> Wieviele Einwohner soll denn Deutschland nach Deiner Ansicht
> haben?
Die absolute Zahl ist mir relativ egal. Relevant ist
aber, dass eine deutlich sinkende Bevölkerung bzw. eine,
deren Altersaufbau so ist wie derzeit die unsere, große
Probleme bei der Finanzierung der Menschen im Ruhestand
zur Folge hat. Für eine gleichbleibende, stabile Anzahl
von Menschen müsste eben die Geburtenquote um fast 100%
höher sein (2,3 statt 1,2 Geburten auf 2 Erwachsene).
> Das doppelte, also 160 Mio? Das Vierfache, wie die VSA?
Wie kommst Du auf solche Forderungen? Ich entnehme
Deinen Ausführungen, dass Du das Thema Altersaufbau
noch nicht mal in Ansätzen verstanden hast. Und dass
daher auch ein Teil Deiner Ausführungen zum Rententhema
obsolet sind.
> Wieviel hätten’s denn gern?
Du vergaloppierst Dich. Bleib einfach sachlich und
bezieh Dich auf Fakten.
Ulriko

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