Schade… - Rente mit 85 Jahren
Scade, dass Ihr meinen (inzwischen leider) verstorbenen Grossonkel
nicht mehr kennenlernen könnt. Geboren 1919 stand der mann bis stramm
in die 88 voll im Lben (und ich eine wirklich voll). Als ich mit
meinem ersten PC angefangen habe (da war er schon weit über 70), hat
er sich damit weit mehr auseinandergesetzt als meine Eltern. Jenseits
der 88 hat ihn dann leider langsam der biologische Verfall eingeholt.
Aber der Mann drehte schon immer auf zweimal soviel Touren wie der
Rest. War in den 30er Jahren Außenhandelsvertreter, sprach 5 Sprachen
und war alles andere als auf den Kopf gefallen. (Von welchem 90
Jährigen hört man schon: “Ich werde alt, jetzt fällt mir das Wort nur
noch auf Englisch, Französisch und Schwedisch ein, aber nicht mehr
auf Spanisch…”)
Ja, es gibt dieses Phänomen, das die Menschen sich mit zunehmendem
Alter “einrichten”, in Routine verfallen, Risiken scheuen etc.. Aber
das liegt wirklich an den Menschen selbst. Es muss nicht so sein. Ich
bin schon deutlich über 40 und habe bislang ziemlich konsequent
durchgezogen, alle 5 bis 7 Jahre etwas Neues zu machen. Ich verdiene
seit vielen Jahren mein Geld damit, der Konkurrenz technisch immer
einen Schritt voraus zu sein. Das zwingt mich dazu, ständig zu
lernen. Ich habe die Schule gehaßt, aber ich lerne gern. Ich finde
das sehr interessant, etwas Neues wirklich zu begreifen (und nicht
nur oberflächlich unterhaltsam populärwissenschaftlich darüber zu
lesen). Wenn man damit sein Geld verdienen will, muss man es
begriffen haben. Und es stimmt nicht, dass man mit zunehmendem Alter
schlechter lernt. Bislang konnte ich meine biologisch nachlassende
Leistungsfähigkeit locker über meine zunehmende Erfahrung
ausgleichen. Und ich kenne Kollegen, die über 60 sind und wesentlich
jüngere Kollegen hinsichtlich der Anwendung neuer technischer
Entwicklungen coachen (die sind dann aber richtig teuer, die Jungs
:-)…). Ich denke schon, dass es eine eigene, innere Haltung ist, ob
man in “seiner” Zeit verharrt oder sich eben ständig auf etwas Neues
einläßt.
Und auch wenn viele Leute im Forum das bezweifeln, ich bin schon der
Ansicht, dass grundsätzlich der menschliche Geist mit einer
1000jährigen Lebensspanne fertig werden würde. Vielleicht nicht alle,
vielleicht sogar nur wenige, aber ich sehe keinen grundsätzlichen
Grund, warum es nicht gehen sollte.
Zugeben muss ich,dass ich allerdings eines für notwendig halte: es
muss Kinder geben. Denn ohne nachwachsende, rebellierende Menschen,
die idealistisch die unperfekte Welt am liebsten total umkrempeln
würden, besteht die Gefahr, dass die “Alten” zu pragmatisch werden.
Es sit schon so, dass viele Impulse aus der Jugend (bis Mitte 30)
kommen, aber die “Alten” (oder wenigstens einige davon) haben dafür
die Erfahrung und die Geduld, das Machbare aus dem Wünschenswerten zu
erkennen udn umzusetzen.
Und ja, ich bin Optimist und ich bin mit dieser Haltung seit
Jahrzehnten gut gefahren.
In diesem Sinne
schönen Freitag
UK

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