re - Rente mit 85 Jahren
> Ja, bis Mitte der Neunziger Jahre hat der Kapitalismus tatsächlich
> dazu beigetragen, dass es den Menschen in Deutschland materiell und
> somit auch gesundheitlich immer besser ging.
So ist es. Und es gibt ein paar Dinge, die sich seit den 80ern
dramatisch verändert haben. Niemand bestreitet die arm/reich-Schere
und ihr Öffnen. Armut ist ohne Frage eine Ursache für reduzierte
Lebenserwartung, aber die Ursachen von Armut und reduzierter
Lebenserwartung liegen nicht allein in der Umverteilung von unten
nach oben:
- die Altersstruktur der Bevölkerung, mal losgelöst vom
Rentenproblem: ältere Arbeitnehmer verdienen mehr Geld und das ist
ein Grund dafür, das Arbeit im Schnitt teurer wird. Ganz einfache
Rechenformel.
- die Globalisierung: innerhalb eines engen Zeitraums hat sich die
Zahl derjenigen Vervielfacht, die bestimmte Arbeiten verrichten
können. Ohne das überbewerten zu wollen - es ist naiv so zu tun, als
hätte das keine Folgen.
- die Energie- und Rohstoffpreise sind dramatisch gestiegen
- langfristige Umweltschäden beginnen erst jetzt zu wirken
- der wichtigste Punkt - die Wiedervereinigung: nach der nachhaltigen
Zerschlagung der Ostwirtschaft hatte wir Haufenweise neue Rentner und
Arbeitlose in den Kassen. Wie man es auch dreht und wendet, auch hier
ist es wieder naiv anzunehmen, dass das spurlos an den Sozialsystemen
vorbeigehen kann.
Es geht mir nicht darum, von der ungleichen Verteilung von Reichtum
abzulenken. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass es eine ganze Reihe
weiterer Einflussfaktoren gibt.

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